Stillen hilft bei postpartaler Depression

Postpartale Depressionen betreffen bis zu 20 % der Frauen, die entbunden haben. Diese soll nicht mit der perinatalen Depression verwechselt werden, bei der es sich um das Wiederauftreten von Depressionen bei Frauen handelt, die bereits an einer Depression gelitten haben.

Ein weiterer Zustand ist der so genannte Baby Blues, der 50-80% der Mütter betrifft und mit Stimmungsschwankungen aufgrund hormoneller Veränderungen einhergeht. Der Baby Blues erfordert keine Behandlung, sondern Hilfe und Unterstützung des engsten Umfelds. Dieser Zustand sollte jedoch nicht vernachlässigt werden, denn wie Statistiken zeigen, die Mehrheit der Frauen, die eine postpartale Depression entwickelten, litt zuerst an Baby Blues.

Es gibt viele Faktoren, die zur Entwicklung einer postpartalen Depression beitragen können, wie z. B. eine schwierige Geburt und der damit verbundene Stress, eine schwierige familiäre und sozioökonomische Situation. Daher sollte der behandelnden Arzt, eine detaillierte Anamnese schwangerer Frauen durchführen, die darauf hinweist, wer besonders von der Krankheit gefährdet sein könnte. Die beste Präventivmaßnahme ist die Teilnahme an Kursen in einer Geburtsschule, die die Frau vorbereiten, sie sensibilisieren und so die Angst vor ihrer neuen Rolle im Leben und den damit verbundenen Veränderungen nehmen. Der Arzt kann eine vorläufige Diagnose auch mit Hilfe eines Fragebogens, der Edinburgh Postnatal Depression Scale (https://www.fresno.ucsf.edu/pediatrics/downloads/edinburghscale.pdf) stellen. Anhand der Antworten kann der Arzt beurteilen, ob der Patient einen Besuch beim Psychiater benötigt. Die erschütterndsten Symptome für die Frauen sind Gedanken an den eigenen Tod oder den ihres Babys. Die Frauen sprechen auch über Ängste, die das Kind oder die Mutter selbst betreffen, die z. B. befürchten das Kind nicht ernähren zu können. Verschlimmert wird dieser Zustand durch Probleme beim Stillen, Angst, dass dem Kind etwas passiert, dass es krank wird; manchmal auch Angst vor der Ehe und der Arbeit. Frauen fühlen sich schuldig, dass sie etwas falsch machen, sie spüren die Verurteilung der Leute, sie würden sich nicht gut genug um ihr Kind kümmern. 

Muss die Mutter abstillen, wenn eine postpartale Depression diagnostiziert wird?

Es gibt eine sehr breite Palette von Medikamenten, die bei stillenden Müttern sicher und ohne negative Folgen für ihr Baby eingesetzt werden können. Frauen sehen das Stillen oft als Bestätigung ihrer Kompetenz als Mutter, so dass im Falle einer Depression das natürliche Stillen als eine Form der Therapie behandelt werden kann, die den Aufbau einer emotionalen Bindung zwischen Mutter und Kind erleichtert, auch als eine Form der Entspannung und Kompensation für die Mutter behandelt werden kann. Leider unterschätzen Ärzte oft den Wunsch der Patientin ihr Kind zu stillen und empfehlen das Abstillen. Oft erleben solche Frauen ein Trauma, dass sie diese wichtige Zeit nicht so erlebt haben, wie sie es wollten, sind anfälliger für depressive Episoden, haben ein Gefühl des Versagens. Der behandelnde Arzt sollte bei der Auswahl eines Medikaments für eine stillende Frau in erster Linie die Sicherheit berücksichtigen; eine gute Möglichkeit, dies zu tun, ist die Überprüfung der Medikamente in der LactMed-Datenbank www.toxnet.nlm.nih.gov/newtoxnet/lactmed.htm oder https://www.embryotox.de/, sowie die Bestimmung der Risikokategorie für die Laktation nach Professor Hale. Die einzige Ausnahme, die eine absolute Beendigung des Stillens erfordert, ist eine Psychose, bei der die Mutter zu einer Bedrohung für das Leben des Babys wird und andere Medikamente (Antipsychotika) benötigt.

Es gibt eine umfangreiche Literatur, die die gesundheitlichen Vorteile des Stillens zeigt, einschließlich einer Verringerung des Risikos einer postpartalen Depression. Eine Studie mit Müttern, die 3 Monate lang ausschließlich gestillt haben, zeigte einen Zusammenhang mit einem reduzierten Risiko für postpartale Depressionen.

Quelle:

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23822932

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